heiligeremilius.de

Sonntag, 25. Januar 2009

5 Newcomer für den Merkzettel (B.O.B, KiD CuDi, Charles Hamilton, Wale, Curren$y)

Die Finanzwelt, ja die gesamte Wirtschaft der Welt befindet  sich in der Krise. Als Gegenmaßnahme werden Konjunkturpakete geschnürt,  Rettungsschirme gespannt und Bürgschaften bereitgestellt. Und das im Gesamtwert  von schon über 3500 Milliarden Euro weltweit. Ausgelöst durch allzu gierige  Fonds, Bänker und sonstige Teilnehmer am Finanzmarkt steht die Wirtschaftswelt  vor einer ihrer größten Prüfungen. Ob das zukünftige Kernproblem der  Wirtschaft, nämlich der Vertrauensverlust in die Märkte und das damit  verbundene Misstrauen in alle Geldgeschäfte, behoben werden kann steht noch in  den Sternen.
  Zieht man nun Vergleich zur Musikindustrie, lassen sich einige Parallelen  feststellen. Nur die Verhältnisse scheinen hier umgedreht. Der Konsument ist  der gierige Ausbeuter, der auf Kosten der Künstler den Hals nicht voll von  neuer Musik bekommt. Jede Neuveröffentlichung ist, oftmals sogar schon vor  offiziellem Release, frei zugänglich für jeden im Internet erhältlich. Besorgt  sich der Fan die Musik auf illegalem Wege im Netz, hört der Künstler als  Konsequenz einfach auf mit der Musik. Er verliert das Vertrauen in den Käufer.  Schlussendlich gibt es keine Musik mehr.

Natürlich gibt es hierbei auch einen anderen Standpunkt. Und  zwar den Vorwurf der Konsumenten, dass den Künstlern jegliche Kreativität  fehle, die Musik sich immer gleich anhöre und die Musik somit letztendlich ihr Geld  nicht wert sei. Wären die Produkte kreativer, würden sie auch höheren Absatz  finden. So fragwürdig dieser Standpunkt hinsichtlich  höherer Verkaufszahlen auch ist, zeigt er  deutlich den Hunger der Musikliebhaber nach neuen Sounds und Styles.
 
  Glücklicherweise trifft die pessimistische Prognose des  Aussterbens der Musik nicht auf jeden Künstler zu, und so gibt es neben  frustrierten Rappern, die trotzig der Industrie den Rücken kehren, auch  erfrischende Gegenentwicklungen. Die Industrie als Mittelmann zwischen Künstler  und Konsument fällt weg, die Musik wird direkt und kostenlos im Internet  veröffentlicht. Neben den unzähligen Mixtapes erdenken sich die Musiker immer  ausgefallenere Konzepte. Young Chris startete die 30 Days/30 Verses Serie, die  Freeway in seiner Ausführung in den Month of Madness verwandelte: 31 Songs,  komplett auf eigene Beats in höchster Qualität. Die vorläufigen Spitzenreiter  an Output sind aber ohne Zweifel Charles Hamilton mit seinem  Hamiltonization-Process und Ex-Cash-Money Mitglied Curren$y, auf die an  späterer Stelle noch eingegangen wird.
 
  Auch dem Vorwurf der fehlenden Kreativität wurde sich –  zumindest in der USA - angenommen und so gibt es einen ganzen Schwung von  Newcomern. Bei dieser Fülle an neuen Künstlern den Überblick zu behalten  erweist sich schnell als nahezu unmöglich. Den wohl noch besten Versuch hierzu  startete das XXL-Magazine mit seinem Dreifach-Cover der 10 Freshmen Class Of  ´09. Die Ehre geben sich hier Ace Hood, Curren$y, Kid Cudi, Cory Gunz, Blu, Mickey Factz, Wale, B.O.B, Charles Hamilton & Asher Roth. Hier wird nun  der Versuch gestartet diese Welle an Newcomern zu sortieren, die besten  Ergebnisse zu filtern und somit einen Überblick mit viel kostenloser,  qualitativer Musik zu bieten.



Curren$y – Weg von Young Money - Aus der Traum?
   
Was für eine Traumsituation: Der zurzeit wohl erfolgreichste  und relevanteste Rapper Lil‘ Wayne signt dich auf seinem Ableger des Labels  Cash Money. Du bist Teil der Crew und darfst mit dem Meister persönlich  recorden, touren und Videos drehen! Klingt für jeden angehenden Rapper wohl für  die Traumsituation. Nicht für Curren$y, der ohne ein Album veröffentlich zu haben,  dem Label den Rücken kehrte. Zurück bleiben ein Video zur einst angedachten  ersten Single sowie einige Kollabos mit Weezy auf diversen Mixtapes.
  “I officially declare my independence on  this 16th day of December 2007….I AM NOT YOUNG MONEY….regardless of what u may  hear in da streets,read on the web or hear on the radio I AM NOT YOUNG  MONEY….If that loses me friends r fans thats just something i will live with  but i will get my just due in this rap game b4 its all said and done…..Dont  look 4 any beef records from me cuzz that aint my thing, just look 4 me at the  top…str8 up…..fly 1 out”
  Curren$y besann sich auf seinen eigenen  Weg und steht nun kurz (?) vor Veröffentlichung seines ersten Albums This Ain't A Mixtape. Vorläufer waren hier 7 (!) kostenfreie Mixtapes, allesamt  releast auf dem Videoblog Nummer 1 OnSmash.com. Bei dieser Fülle an  Soundmaterial kann man sich nicht beschweren, jedoch klingen die Mixtapes bis auf einige Highlights recht  uninspiriert. Was natürlich kein Wunder ist bei solchen Releases, trotzdem  fällt es so schwer sich von seinen Qualitäten zu überzeugen. Orientiert man  sich jedoch an den alten Zusammenarbeiten mit Lil‘ Wayne und sieht sich diese  großartige Preview zum Albumtrack Blown Away an, darf man auf eine solide  Veröffentlichung hoffen.


KiD CuDi –  Man On The Moon
 
 
  Noch kein Album veröffentlicht, aber schon auf einem der  größten Releases des Jahres, 808’s & Heartbreak von Kanye West. Auf Welcome  To Heartbreak kann man sich schon von den unaufdringlichen Gesangskünsten des  Allrounders überzeugen. Außerdem hat er mit Day N Night wohl den Überraschungshit des  letzten Jahres im Gepäck. In der von den Crookers geremixten Version gelang es  diesem Song sogar schon den Weg in deutsche Clubs zu finden. Hohe Erwartungen  können also an denn GOOD-Music – Künstler gestellt werden. Diese erfüllt er  zunächst auf dem großartigen Mixtape A Kid Named Cudi, welches der Grund für Kanye West war ihn auf seinem Label zu signen . Neben dem schon erwähnten Hit Day N Night  finden sich hier Songs wie Embrace The Martian, 50 Ways To Make A Record oder  Is There Any Love? mit Wale. Der Sound ist neu, die Kombination aus Rap  und Gesang musikalisch hochwertig. Absolute Downloadempfehlung!



Wale – The Nex Big Thing?
 
 
  Wie kreiert man einen Hype? Für Wale kein Problem, sein Song  Nike Boots von 2007 sorgte für größte Aufmerksamkeit im Netz. Natürlich durfte  Mr. Featuring Lil‘ Wayne auf dem obligatorischen Remix nicht fehlen, was den  Song noch das gesamte Jahr 2008 auf Dauerroation laufen lies.   
Gesignt bei  Interscope von Megaproduzent Mark Ronson veröffentlichte er zwei kostenloste  Mixtapes in Zusammenarbeit mit dem Klamottenlabel 10Deep. Auf dem Erstlingswerk  100 Miles & Runnin‘ nimmt sich Wale allen möglichen bekannten Instrumentals  an und schreckt dabei auch nicht vor Experimenten wie z.B. den Justice – Remix  W.A.L.E.D.A.N.C.E (den er auch bei den VMA’s 2007 in Las Vegas performte)  zurück. Auch der Nachfolger The Mixtape About Nothing sorgte mit witzigem  Konzept und den eben erwähnten Nike Boots Remix (The Cliché Lil’Wayne Feature)  für hohe Downloadzahlen.


B.O.B –  Haterz Everywhere In The Sky
 
 
  Der Vergleich zu Outkast kommt nicht von ungefähr. Der  aktuelle Song I’ll Be In The Sky könnte tatsächlich auch von Andre 3000  stammen. Urheber ist jedoch B.O.B, seineszeichen unter Vertrag bei T.I.‘s Label  Grand Hustle. I’ll Be In The Sky in den Staaten im Radio rauf und runter, B.O.B  könnte ähnlich wie KiD CuDi einen Riesenhit landen. Das erste mal aufmerksam  konnte der Südstaatenmusiker mit seinem Song Haterz Everywhere machen, der  schon große Beachtung in der HipHop-Szene fand. T.I. wurde auf ihn aufmerksam  und bot ihm nach dem seinem Signing gleich einen Featurebeitrag auf dem  Platinalbum Paper Trail an. B.O.B’s Style steht häufig für gute Laune, so  parodiert er den momentanen Autotune-Wahn mit einer gekonnten Lil‘ Wayne –  Imitation.
 
  B.O.B ist ein weiteres Multitalent mit  Starpotential.  Auch sein Mixtape Who The Fuck Is B.O.B? ist kostenfrei runterzuladen.


Charles Hamilton – Sonic The Hedgehog
 
 

  Auch Charles Hamilton durfte bei Interscope unterschreiben  und startete von dort seinen Hamiltonization Process. Hierbei handelte es sich  um eine Mixtape-Serie die jedem relevanten Rapblog in der USA einen Besuch  abstattete. Das Ergebnis sind 8 Mixtapes in Zusammenarbeit mit DJ Skee. Charles  Hamiltons Style ist schwer zu beschreiben, neben seiner markanten Stimme hilft  dieses Zitat:
  "If you can get, like, the elements of  Earth, Wind & Fire, Parliament-Funkadelic, Incubus, Blues Traveler, Nine  Inch Nails, Quincy Jones Orchestra, and the musicians that John Tesh worked  with, that’s pretty much how I hear the future of music."
  Das Lied zu seinem ersten Video Brooklyn Girls wurde auch  gleich vom Rolling Stone Magazin auf Platz 58 der Top 100 Songs 2008 gewählt. Wohlgemerkt  genreübergreifend.
 
  Zum Abschluss der Serie wurde das Street Album The Pink Lavalamp kostenlos  zum Download veröffentlicht, welches als direkter Vorbote zum bald  erscheinenden Album fungiert. Hier wird erstmals ersichtlich wie Charles  Hamilton auf Albumlänge klingen könnte, die Beats fallen deutlich weniger  experimentierfreudig aus. Des Weiteren gibt es noch ein Best Of Hamiltonization-Process, empfehlenswert für denjenigen der sich einen schnellen Überblick verschaffen will.
 
  Was hat es also nun auf sich mit dem Hype um die Freshmen?  Bevor diese Frage beantwortet werden kann, muss zuvor erwähnt sein, dass es  sich bei den oben angeführten Künstlern nur um einen kleinen Ausschnitt der  Masse an Newcomern handelt. Namen wie Asher Roth, The Cool Kids, Kidz In The  Hall, Blu usw. wurden noch garnicht berücksichtigt und bieten wahrscheinlich  auch hohes Potential. Trotzdem kann man wohl mit Sicherheit sagen, dass es seit  langem nicht mehr soviel frischen Wind in der doch ziemlich eingestaubten Szene  gab. Die erwähnten Künstler zeichnen sich durch neue Styles, Kreativität,  Skills, aber auch hohen Fleiß und Liebe zur Musik (die kostenlosen  Veröfentlichungen sprechen zumindest dafür) aus. An dieser Stelle bleibt die  überstrapazierte Floskel von Nas unter Verschluss, Rap 2009 verspricht einige  hochkarätige Debutveröffentlichungen!


Media-Zusammenfassung:

Für die Liebhaber und Nerds gibt es hier nochmal einen  Überblick über alle erwähnten Releases mit Downloadlink. Wer sich jedoch nur  die Leckerbissen picken will, der folge den Empfehlungen.
 
Curren$y
Independence  Day [Mixtape]
Higher Than 30000 Feet [Mixtape]
Welcome To The Winner’s Circle [Mixtape]
Fear And Loathing In New Orleans [Mixtape]
Super Tecmo Bowl [Mixtape]
Fast Times At Ridgemont Fly [Mixtape]
Fin… [Mixtape]

KiD CuDi
A Kid Named CuDi [Mixtape]

Wale
100 Miles And Runnin' [Mixtape]
The Mixtape About Nothing [Mixtape]

B.O.B
Who The Fuck Is B.O.B? [Mixtape]

Charles Hamilton
The Complete Hamiltonization Process [8 Mixtapes, Einzeldownload via iamnotcharleshamilton.com]
 
Best Of Hamiltonization Process [Mixtape]
  The Pink Lavalamp [Street Album]



- heiligeremilius

0 Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Abonnieren Kommentare zum Post [Atom]

Links zu diesem Post:

Link erstellen

<< Startseite