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Donnerstag, 6. November 2008

Marsimoto hilft Deutschrap! - Zweiter Teil der Serie [Teil 2/3]


HipHop is dead? Mein Dad ist HipHop!


Treffend formuliert von Newcomer Marteria aka Marsimoto. Nachdem wir uns im ersten Teil der Serie über das Status Quo der deutschen Rapszene mit dem mehr als ordentlichen Album von Untergrundlegende Prinz Pi beschäftigt haben, unternimmt heute Marsimoto seinen Versuch deutschen Rap wiederzubeleben.


Rap-Nerds ist Marsimoto schon länger ein Begriff, das Erstlingswerk Halloziehnation fand große Aufmerksamkeit. Thematisch ein Konzeptalbum, dass sich durchgehend mit der fragwürdigen Sucht des Kiffens beschäftigt und dreist die hochgepitchte Stimme von Ami-Untergrundrapper Quasimoto aka Madlib klaut. Im Nachfolger Base Ventura wird unter dem normalen Ego Marteria gerappt und sich auch thematisch schon vielfältiger präsentiert. Von den HipHop-Medien für seinen außergewöhnlichen Stil, vor allem auch was die Beats angeht, gefeiert, mausert sich Marteria vom Insidertip zum aussichtsreichen Newcomer. Das sah auch Erfolgslabel Four Music, dass in der Vergangenheit für zahlreiche Nummer 1-Alben verantwortlich war. Marteria wird gesignt und kündigt das Release vom nächsten Marsimoto-Album Zu Zweit Allein für den 17.10.08 an. Überraschenderweise und zu meiner persönlichen Freude wird angekündigt, dass das Album uneingeschränkt ohne Zeilen zum Kiffen auskommt. Zu den Bitervorwürfen äußert er sich auf der HipHop.de-Podiumsdiskussion und steht dort sympathischerweise zu seinem offensichtlichen Vorbild bezüglich des Stimmeinsatzes. Letztendlich  sind diese Einflüsse für mich nicht ausschlaggebend, da mir die Werke von Quasimoto vorher nicht bekannt waren und Marsimoto es trotzdem geschafft hat einen eigenen Sound zu kreiren.  

Mit dem Release der Internetsingle Todesliste konnte Marteria dann die Aufmerksamkeit endgültig auf sich ziehen. Der Song stellt eine Abrechnung mit der deutschen Rapszene aus Sicht eines Internetusers dar und stellt sich durch das konsequente Namedropping als extrem polarisierend heraus. Nachdem auch dem letzten Hörer klar war, dass es sich nicht um einen Disstrack handelt wurde der Song weitgehend positiv aufgenommen. Auch hier gab es, ähnlich wie beim Prinz Pi Release von Schädelf***en, das Lied als Free-Download. Daumen hoch! Im weiteren Verlauf der Promotion gab es einen, mal mehr, mal weniger interessanten Videoblog, in dem jeder Song von Marteria vorgestellt wurde. Letztlich war die Promotion für ein Four-Music Release dann doch etwas dünn, was jedoch verständlich ist, da in diesen Zeiten wohl eher ungern Risiken mit einem Newcomer eingegangen werden.

Der Sound auf Zu Zweit Allein ist innovativ, trockene Beats mit teilweise elektronischen Einflüssen. Der Stil fällt mir schwer zu beschreiben, im Gesamten hat er jedoch einen hohen Wiedererkennungswert und bewegt sich haarscharf an der Grenze zur Eintönigkeit. Für Abwechslung sorgen hier Crash Dein Sound mit Deichkind (genau so klingt es auch) und dem oben zitierten Mein Dad ist HipHop, das einen sehr oldschooligen Flavour mit minimalistischen Elektrosounds verbindet. Der zuletzt genannte Song stellt eine großartige Liebeserklärung an unser aller Lieblingsmusik dar. In erste offizielle Singleauskopplung Stage Divin' rappen Marteria und Marsimoto zusammen. Ein weiterer Track zum feiern, der optimal auf den Sound des Albums vorbereitet.



Zwar handelt es sich um ein offizielles Marsimoto-Release, trotzdem kommen die knochentrockenen Marteria-Parts nicht zu kurz. Gerade dieser Wechsel steht perfekt im Einklang mit den Beats, gerade wenn die emotionslos hingerotzten Punchlines von Marteria kommen so hervorragend zur Geltung. Thematisch ist das Album extrem vielseitig angelegt, es geht von der Liebe (?) zu übergewichtigen Frauen (Keine Isst XXL Version), zum eigenen Heißhunger nach dem weiblichen Geschlecht (Hunger) bishin zu hässlichen Neureichen, die man nur hassen kann (Reich und Hässlich). Alle Themen werden mit viel Humor umgesetzt und sogar tiefergehende Tracks wie LMS (Lidl Miss Sunshine) schaffen den Balanceakt zwischen guter Unterhaltung und sinnvoller Message. Ein Highlight ist für mich Insel der Legenden, dass das, eventuell schon aus Simpsons bekannte, Konzept von einer einsamen Insel auf der alle berühmten, toten Persönlichkeiten ihr dasein fristen, umsetzt. Weiterhin hervorzuheben ist Modern Stalking, dass die Geschichte eines krankhaften Stalkers aus der Ich-Perspektive erzählt, eine hervorragende Umsetzung. Die (Rap-)Features von Deichkind, Olli Banjo und Sido fügen sich hervorragend ins Gesamtkonzept ein, gerade Deichkind schaffen es, dem Lied ihren Stempel aufzudrücken.

Dein Sound ist schuld am Krieg im Irak

Nach Prinz Pi schafft es also auch Marsimoto mit seinem Release mehr als zu überzeugen. Two down, one to go, das finale wird John Bello Story II von Kool Savas behandeln. Schafft es der Routinier sich in die Reihe der hervorragenden Releases einzureihen? Watch out...

- heiligeremilius


Siehe auch:

Neopunk rettet Deutschrap? - Auftakt der Serie [Teil 1/3]

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